Tinka Demand; Shot with Phase One XF © Faces of Vegas

Zurück aus der Zukunft: Phase One XF

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Mittelformat? Kennt man: teuer, wenig innovativ, irgendwie altbacken. Weit gefehlt, denn Phase One hat mit der XF nach langer Zeit ein neues Mittelformatgehäuse vorgestellt. camera* zeigt, warum dieses Gehäuse den Mittelformatmarkt verändern kann.

Endlich gibt es wieder einen Lichtschachtsucher im Mittelformat © Phase One

Endlich gibt es wieder einen Lichtschachtsucher im Mittelformat
© Phase One

Phase One, das Unternehmen hinter den gleichnamigen Kamerasystemen, Objektiven und dem RAW-Konverter Capture One Pro, hat mit der XF zunächst „nur“ ein komplett überarbeitetes Kameragehäuse vorgestellt. Doch bei näherem Hinschauen zeigt sich, dass hier ein zukunftsweisender Schritt eingeleitet wurde.

In den letzten Jahren gab es bei Phase One bereits einige spannende Entwicklungen. So wurde 2008 Capture One komplett neu programmiert, im Jahr 2011 wurden die noch heute hervorragenden Digitalrückteile der IQ-Serie vorgestellt und in Zusammenarbeit mit Schneider-Kreuznach erschienen bis heute zehn hochwertige Zentralverschlussobjektive, was die Objektivlinie auf insgesamt 19 Modelle anwachsen ließ.

Anhand der Zeitspanne sieht man schon, dass das Mittelformat eigenen Regeln folgt. Aus der Kleinbildperspektive betrachtet, bewegt sich das Segment nur langsam. Die Kameras glänzen nicht durch Hunderte von Funktionen oder Programme und neue Modelle erscheinen auch nicht im Jahresrhythmus. Doch gerade die relative (Wert-)Beständigkeit und das eher langfristig ausgerichtete Denken macht das Mittelformat attraktiv. Nun gibt es endlich ein neues Gehäuse im 645er-Standard. Was hat es mit diesem neu gestalteten schwarzen Würfel auf sich?

Weg mit alten Zöpfen

Was zuerst an der XF auffällt, ist das Design. Die Kamera wirkt klarer strukturiert und kommt optisch ganz anders daher als ihre Vorgänger. Denen sieht man die Abstammung von der aus dem Jahr 2001 stammenden Mamiya AFD deutlich an. Lange Zeit war Phase One an technische Elemente des Traditionsgehäuses gebunden, auch wenn im Laufe der Zeit mit den Modellen DF und DF+ etliche Detailverbesserungen vorgestellt wurden. Mit der XF hat sich Phase One dazu entschlossen, zum Apple des Mittelformatsegments zu werden und alte Zöpfe radikal abzuschneiden: Man hat sich produkttechnisch komplett von der Mamiya-Historie gelöst. Mit Sicherheit ist es kein alltägliches Ereignis, wenn ein Kamerahersteller in dieser Kategorie ein eingeführtes Kamerasystem ablöst und ein komplett neu gestaltetes Modell vorstellt.

Die XF mit montiertem Lichtschacht von oben. Gut erkennbar ist hier auch das übersichtliche Kameradisplay © Phase One

Die XF mit montiertem Lichtschacht von oben. Gut erkennbar ist hier auch das übersichtliche Kameradisplay
© Phase One

Nimmt man die XF das erste Mal in die Hand, vermittelt sie ein wertiges Gefühl – man hat im Wortsinne etwas in der Hand. Kein Wunder, das Gehäuse allein bringt schon gut 1,3 Kilo auf die Waage und ist mit 152 x 135 x 160 Millimetern auch nicht gerade zierlich. Gleichzeitig hinterlässt die XF den Eindruck einer gewissen Vertrautheit. Mit ihrer Würfelform und dem nun abnehmbaren Sucher wirkt die Kamera eigenartigerweise weniger ‚modern‘ oder ‚futuristisch‘ als ihre Vorgängermodelle. Sie strahlt stattdessen einen gewissen Retro-Charme aus; man meint, sie schon einmal gesehen zu haben. Über Schönheit mag man, gerade auch bei Mittelformat-Gehäusen, gepflegt streiten – mir sagen die klaren Linien der XF durchaus zu. Was diesem Gehäuse geblieben ist, sind – systembedingt – die Größe und das Gewicht. Erwartet habe ich, dass das neue Gehäuse unhandlicher ist, eben ‚kantiger‘ in der Handhabung, denn es ist tatsächlich auch noch etwas schwerer als das der DF+. In unserem kurzen Test stellte sich der Würfel jedoch als sehr ausgewogen dar. Natürlich muss man es grundsätzlich mögen, knapp 1,3 Kilo plus Objektiv zu stemmen – doch man kann ohne Probleme auch längere Zeit ohne Stativ arbeiten, ohne, dass sich die Kamera unangenehm bemerkbar macht.

Der Griff liegt gut in der Hand und ist vor allem auch lang und tief genug, um ihn komplett greifen zu können. Das mag nicht für jeden Fotografen eine Rolle spielen, hat mich aber bisher dazu genötigt, zu jedem Kleinbildgehäuse noch einen Handgriff anzuschaffen, um die fehlende Gehäuselänge auszugleichen. Das ist bei der XF auf jeden Fall nicht notwendig – dafür hält man natürlich auch eine Kamera in gefühlter Backsteingröße in der Hand. Doch die Gehäusegröße hat auch Vorteile: Alle Bedienelemente sind gut verteilt und angenehm erreichbar. Die zweite große Befürchtung, die unbeschrifteten Knöpfe würden für Verwirrung sorgen, hat sich bei der

Die XF und das IQ3 50MP-Rückteil liefern zusammen erstklassige Ergebnisse © Faces of Vegas; Model: Tinka Demand

Die XF und das IQ3 50MP-Rückteil liefern zusammen erstklassige Ergebnisse
© Faces of Vegas; Model: Tinka Demand

(zugegebenermaßen kurzen) Benutzung auch in Luft aufgelöst. Tatsächlich ist es so, dass man im Display durchaus ablesen kann, wie die Tasten zugewiesen sind. Und ansonsten bedient man die Kamera direkt über das Touchscreen-Display. Was die Tasten der XF wirklich interessant macht, ist dagegen etwas ganz banales: Gegenüber der DF fühlen sie sich nicht mehr schwammig an und lassen sich präzise drücken.

Es wird hell

Keine Neuigkeit, aber doch ein echter Pluspunkt ist der Blick durch den Sucher, der 97% des Bildfeldes abdeckt – er ist angenehm groß und hell; ein Faktor, mit dem das Mittelformat schon immer punkten konnte. Leider muss man auch bei der XF nach wie vor damit leben, dass man auch mit der Kamera anders fokussieren muss als mit einem Kleinbildsystem. 30 oder mehr Fokuspunkte, angenehm über die gesamte Bildfläche verteilt, sucht man nach wie vor vergebens.

Auch mit der XF wird nach wie vor ‚klassisch‘ in der Mitte fokussiert und dann erst der Bildausschnitt festgelegt. Das macht das Arbeiten mit der XF, wie mit allen Mittelformatkameras, etwas langsamer. Zudem wird beim Mittelformat meist stärker verschwenkt, um den Bildausschnitt festzulegen. Entsprechend hat man, im Vergleich zum Kleinbild, leider immer noch eine gute Chance, die eine oder andere unscharfe Aufnahme zu produzieren. Allerdings ist der Autofokus selbst im direkten Vergleich zum Vorgänger wesentlich schneller und präziser geworden. Das klassische Pumpen des Objektivs auf der Suche nach der Schärfe in etwas dunkleren oder kontrastarmen Bildbereichen habe ich bei unseren Testaufnahmen mit der XF nicht erlebt.

Phase One verkündet auch gleich eine neue Philosophie zum im eigenen Haus entwickelten Kamerasystem, das nicht nur modular sein soll, sondern auch hoch gesteckten Ansprüchen genügen soll: Einfach und intuitiv soll die neue Kamera werden und nicht mehr als einen Knopfdruck oder eine Kontrollradbewegung benötigen, um die grundlegenden Kamerafunktionen zu steuern. Das Modell soll aber auch individuell konfigurierbar sein. Auf marketinggetriebene Features wollte man verzichten und stattdessen Problemlösungen und Zuverlässigkeit abliefern.

Hat das Zeug zum modernen Klassiker: Die Phase One XF während unseres Tests © Faces of Vegas

Hat das Zeug zum modernen Klassiker: Die Phase One XF während unseres Tests
© Faces of Vegas

Was so gut klingt, macht sich in der Benutzung tatsächlich bemerkbar: Die XF lässt sich ohne Handbuch bedienen, die Anzeige im Display ist übersichtlich und verzichtet auf kryptische Kürzel und Ziffernkombinationen, Räder und Tasten arbeiten präzise. Die angenehme Bedienung wird zum Teil über den Verzicht auf komplexe Motivprogramme und Features erzielt – hier darf man weiterhin nicht den Vergleich zum Kleinbild ziehen. Dafür wurde im Unternehmen ein logischer und eigentlich selbstverständlicher Schritt unternommen, um die Bedienung der Kamera angenehmer zu machen und an Kleinbild-Komfort heranzureichen. Erstmals wurden die Grenzen zwischen den verschiedenen Entwicklungsteams für Software, Digitalrückteile und Kameras aufgehoben, um das Zusammenspiel und die Integration dieser drei Komponenten zu steigern. Als Ergebnis kann der Fotograf bei der XF nun beispielsweise über das Digitalrückteil und auch über Capture One auf das Kamerabetriebssystem zugreifen. Einstellungen müssen nicht mehr an unterschiedlichen Stellen vorgenommen werden, sondern können zentral über das Display des Rückteils vorgenommen werden. Was für Kleinbildkameras normal ist, stellt im Mittelformat durchaus schon einen revolutionären Schritt dar, der das neue Kamerasystem durchaus zukunftstauglich erscheinen lässt.

Der Spiegelschlag wirkt satt, aber nicht mehr so heftig wie bei der DF+. Ursache dafür soll eine neue, noch etwas ‚flüssiger‘ laufende Mechanik sein. Über deren Langlebigkeit lässt sich jetzt natürlich noch nichts sagen, der erste Eindruck ist aber, dass hier ‚für die Ewigkeit‘ gebaut wurde. Wer mit älteren Kleinbild-Kameras vertraut ist, mag sich, was die Robustheit angeht, an die Nikon F3 erinnert fühlen.

Außerdem erhielt die XF eine komplett neue Elektronik, einen neuen, auf einem eigenen CMOS-Sensor basierenden Autofokus und ein neues Betriebssystem, das, passend zum Gehäusekonzept, flexibel anpassbar ist und über Touchscreen-Anzeigen gesteuert wird.

Eines der Testbilder, das wir mit der XF und dem IQ3-50-MP-Rückteil gemacht haben. Als Objektiv kam das LS 120mm f/4 Macro zum Einsatz © Faces of Vegas; Model: Tinka Demand

Eines der Testbilder, das wir mit der XF und dem IQ3-50-MP-Rückteil gemacht haben. Als Objektiv kam das LS 120mm f/4 Macro zum Einsatz
© Faces of Vegas; Model: Tinka Demand

Neues Griffgefühl

Das neue Griffgefühl, das mir schon beim ersten In-die-Hand-nehmen auffiel, stammt nicht zuletzt vom optimierten Handgriff. Wie schon erwähnt, kann die XF, obwohl es sich bei ihr mit 1390g Gewicht (gegenüber 1090g bei der Phase One DF+) weder um eine besonders kleine noch leichte Kamera handelt, auch über längere Zeit bequem und sicher gehalten werden. Ein praktisches Detail ist auch die Möglichkeit, eine Handschlaufe anbringen zu können, ohne dafür eine L-Schiene oder einen vertikalen Handgriff montieren zu müssen.

Endlich eine ordentliche Stromversorgung

Einen echten Bedienungsvorteil gibt es bei der Stromversorgung, die bisher immer etwas mühselig gestaltet war. Hier ziehen sowohl die Software als auch die Stromversorgung bei der Kombination XF mit dem IQ3 an einem Strang: Kamera und Digitalrückteil nutzen denselben Akkutyp und die Stromversorgung ist nicht mehr komplett getrennt – die Akkus für Gehäuse und Digitalback müssen nicht mehr unabhängig voneinander überwacht und geladen werden, sondern teilen sich die Stromversorgung. Gerade beim Einsatz ‚on location‘ eine echte Arbeitserleichterung, da es nicht mehr so häufig zu Unterbrechungen kommt, weil einer der Akkus Leerstand anzeigt.

Eine der wichtigsten Neuerungen stellt die sogenannte Honeybee Autofocus Platform HAP-1 dar, die mit einem hochauflösenden 1-Megapixel-CMOS-AF-Sensor ausgestattet wurde. Dieser neue Autofokus, der ebenfalls eine Eigenentwicklung von Phase One sein soll, ist deutlich sensibler und treffsicherer als das, was der Mittelformatmarkt sonst bietet, und kann in vielen Bereichen endlich auch Kleinbildsystemen Paroli bieten. Er erlaubt unterschiedliche Modi: Spot, Mittelwert und Hyperfokal.

Das 50-MP-Digitalrückteil der IQ3-Serie liefert eine hervorragende Bildqualität. Capture One Pro erlaubt es, hier alle Bilddetails herauszukitzeln © Faces of Vegas; Model: Tinka Demand

Das 50-MP-Digitalrückteil der IQ3-Serie liefert eine hervorragende Bildqualität. Capture One Pro erlaubt es, hier alle Bilddetails herauszukitzeln
© Faces of Vegas; Model: Tinka Demand

Der Autofokus wird zudem unterstützt durch ein neues weißes AF-Hilfslicht, das ein von Phase One entwickeltes Muster nutzt, um auch in schwierigen Lichtsituationen ein sicheres Scharfstellen zu gewährleisten.

Das mag in den Ohren von DSLR-Nutzer wieder nach einer Kleinigkeit klingen, doch wer schon einmal länger mit einer Mittelformat-Kamera gearbeitet hat, weiß, wie zäh und manchmal unzuverlässig der Autofokus sein kann. Das Muster, das dieses neue Hilfslicht aussendet, hilft deutlich, den Kontrast des anvisierten Motivs zu erhöhen und sorgt für eine höhere ‚Trefferquote‘. Natürlich machen Ankündigungen wie die von Phase One auch etwas skeptisch – zu sehr klingt das Ganze nach Marketinggeklingel. In unserem Test lag die Trefferquote des XF-Autofokus deutlich über den Ergebnissen, die ich mit dem alten Gehäuse erzielen konnte. Natürlich gab es auch hier einige Fehlschüsse, das neue System ist nicht unfehlbar, doch insgesamt wirkte er deutlich schneller und sicherer.

Der Einsatz eines CMOS-Sensors zur Fokussierung bietet auch noch einige weiterführende Optionen, die so vorher nicht möglich waren. So lässt er sich auch beim Einsatz des Lichtschachtsuchers nutzen und kann dazu eingesetzt werden, einen hyperfokalen Fixpunkt für die eingesetzten Objektive zu bestimmen.

Einen spannenden Rückgriff auf Technik aus analogen Zeiten bietet die Sucherkonstruktion der XF. Hier kann der gewohnte 90°-Sucher, wie bei Kameras früherer Tage, komplett gewechselt werden. Dem Fotografen stehen sowohl der serienmäßige und sehr helle 90°-Vollformat-Glasprismensucher als auch ein klassischer Lichtschachtsucher zur Verfügung. Eine weitere Besonderheit des Lichtschachtsuchers ist, dass sich mit ihm über das neue HAP-1-Autofokusmodul auch die Belichtungsmessung vornehmen lässt. Der Lichtschachtsucher macht die Arbeit aus ungewöhnlichen Perspektiven sehr angenehm – wer schon einmal mit einem 90°-Sucher aus Bodennähe fotografiert hat, weiß, wie bequem es sein kann, von oben in die Kamera blicken zu können. Leider stand uns der Lichtschachtsucher für unseren Test nicht zur Verfügung, so dass wir hier kein Urteil aus der Praxis abgeben können, aber er stellt in jedem Fall eine interessante Erweiterung dar, zumal ja kein Klappdisplay zur Verfügung steht.

Das Erscheinungsbild der XF ist geradlinig und wirkt zweckorientiert © Phase One

Das Erscheinungsbild der XF ist geradlinig und wirkt zweckorientiert
© Phase One

Die XF wurde vor allem auf Seiten der Elektronik deutlich gegenüber ihren Vorgängern verbessert. Sie verfügt über schnellere Prozessoren und zum Teil neue Sensoren (wie etwa Gyro-Sensoren und Beschleunigungsmesser). Ebenfalls mit eingebaut wurde ein Profoto-Blitzauslöser, den man bislang nur als zusätzliches und teures Handgriff-Modul für die DF-Reihe erwerben konnte.

Dass Phase One es mit dem Begriff flexibel wirklich ernst meint, sticht bei näherer Betrachtung des Gehäuses ins Auge. Es fehlt jegliche Tastenbeschriftung, denn alle Tasten und Räder lassen sich schnell und einfach mit jeder vorhandenen Kamerafunktion belegen. Möglich macht dies das neu entwickelte Betriebssystem „OneTouch UI“, das nun das gesamte System inklusive der neuen IQ3-Digitalrückteile steuert. Der Fotograf hat hier die Möglichkeit, die Bedienelemente via Kamera oder Software zu personalisieren und an die jeweilige Aufnahmesituation anzupassen – was auch das Fehlen jeglicher Tastenbeschriftungen an der XF erklärt.

Was zunächst ungewöhnlich erscheint und Bedienungsprobleme erwarten lässt, stellte sich bei unserem schnellen Test als absolut problemfrei heraus. Die Tasten liegen griffgünstig und lassen sich erstaunlich gut „blind“ bedienen, da die Funktionen, die benötigt werden, genau dort liegen, wo man sie haben möchte. Phase One betont, dass es sich bei der XF nicht einfach nur um ein neues Gehäuse handelt, sondern vielmehr um den Dreh- und Angelpunkt eines Kamerasystems, das als aktualisierbare Plattform konzipiert wurde und kontinuierlich um Funktionen erweitert werden soll. Das neue Interface stellt damit die Basis für Updates der kommenden Jahre dar.

Erstes Update

Nun gab es ‚zukunftssichere‘ Ankündigungen ja schon von vielen Herstellern – oft verpuffte das Engagement dann schon nach kurzer Zeit. Auch für Phase One können wir nicht in die Zukunft blicken, aber immerhin hat das Unternehmen nur wenige Monate nach der Markteinführung der XF das erste Update für das Kamerasystem veröffentlicht.

Als neue Funktionen wurden eine Fokusbestätigung im Display hinzugefügt, die die Arbeit mit dem optionalen Lichtschachtsucher erleichtern soll, eine Ausleseverzögerung, die vom Erschütterungsmesser gesteuert wird und als „Seismographic Vibration Delay“ sicherstellen soll, dass die Kamera im Moment der Aufnahme erschütterungsfrei ist. Eine in das Display der XF bzw. des digitalen Rückteils eingeblendete Wasserwaage (Libelle) ermöglicht die schnelle Ausrichtung der Kamera. Im Zusammenspiel mit Capture One ist

Die Digitalbacks der IQ3-Serie verfügen über ein hochauflösendes Display, das auch zur Steuerung der Kamera genutzt werden kann © Phase One

Die Digitalbacks der IQ3-Serie verfügen über ein hochauflösendes Display, das auch zur Steuerung der Kamera genutzt werden kann
© Phase One

zudem die Fokuskontrolle direkt über die Live-View-Funktion möglich, was erheblich mehr Kontrolle über die Bildschärfe bietet. Außerdem lässt sich jetzt für jedes Objektiv ein optimaler hyperfokaler Fixpunkt bestimmen und speichern. Für die Aufnahmebeurteilung ist auch noch ein Histogramm hinzugekommen.

Passend zur Phase One XF hat das Unternehmen auch die digitalen Rückteile der IQ-Familie überarbeitet. Flaggschiff der neuen IQ3-Rückteile ist hier ein 100MP CMOS Vollformatsensor, der von Sony stammt. Das System verfügt über 16 Bit (True Color), 15 Blendenstufen Dynamikumfang, Live View über HDMI-Anschluss, einen ISO-Bereich von 50 bis 12.800 und ermöglicht Belichtungszeiten von bis zu 60 Minuten. Ebenfalls neu in der IQ3-Familie ist ein 80-Megapixel-Sensor, der ebenfalls Belichtungen von bis zu einer Stunde Dauer zulässt und einen, so Phase One, firmeneigenen Bildsensor nutzt.

Als weitere Alternativen der IQ3-Reihe gibt es zudem noch Rückteile mit 60 MP und 50 MP. Diese neuen Rückteile sind komplett an das OneTouch UI angepasst und werden vom Betriebssystem der Kamera gesteuert.

Phase One XF

Phase One ist mit der Kombination aus XF, IQ3 und Capture One Pro 9 ein großer Wurf gelungen, der das Zeug hat, den Mittelformatmarkt zu revolutionieren. Das Kamerasystem ist sicherlich kein billiges Vergnügen, aber, gemessen an den zahlreichen Neuerungen, erstaunlich preisstabil. Zudem ist die XF eine zukunftsorientierte Plattform, die über die nächsten Jahre wahrscheinlich wertbeständig sein wird. Die aktuellen Entwicklungen, wie etwa die Zentralverschlussobjektive oder das gerade erschienene 100-Megapixel-System, lassen auch für die Zukunft noch einiges erwarten.

Preise und Verfügbarkeit

Das Phase One XF-Kamerasystem ist über Phase-One-Partner weltweit erhältlich: www.phaseone.com/partners

XF Kamerabody, IQ3 Digital Back, Prismensucher & Schneider Kreuznach 80 mm LS:

XF IQ3 80 MP – 38.990 EUR

XF IQ3 60 MP – 33.990 EUR

XF IQ3 50 MP – 31.990 EUR

Das Phase One XF 100 MP Kamerasystem (inkl. Schneider Kreuznach 2,8/80 mm Zentralverschlussobjektiv) kostet rund 49.000 EUR.

Phase One Schneider Kreuznach Zentralverschlussobjektive:

120 mm – 5.490 EUR

35 mm – 5.490 EUR

Alle Systeme werden mit der Software Capture One 9 für optimale RAW-Verarbeitung und Bildbearbeitung ausgeliefert.

Die XF mit dem aktuellen 100-MP-Digitalrückteil und den gängigsten Zentralverschlussobjektiven von Schneider-Kreuznach © Phase One

Die XF mit dem aktuellen 100-MP-Digitalrückteil und den gängigsten Zentralverschlussobjektiven von Schneider-Kreuznach
© Phase One

Phase One

Das in Dänemark beheimatete Unternehmen Phase One stellt digitale Mittelformatkameras, digitale Rückteile, Objektive und die RAW-Software Capture One her. Phase One hat seinen Hauptsitz in Kopenhagen mit Niederlassungen in New York, London, Tokio, Köln, Hongkong, Shanghai, Sydney und Tel Aviv.

Im Laufe der letzten Jahre wurde nicht nur Capture One von Grund auf neu geschrieben (2008), auch die Digitalrückteile wurden 2011 komplett erneuert; man verabschiedete sich von den P+-Rückteilen und setzte fortan auf die Familie der IQ-Rückteile als Standard. In Zusammenarbeit mit Schneider Kreuznach wurde zudem das Objektivangebot kontinuierlich erweitert und auf die Anforderungen der IQ-Digitalrückteile angepasst. Mit der XF wurde nun endlich ein komplett neues Kameragehäuse vorgestellt.

* Vor einiger Zeit (März/April 2016) hatte ich die Gelegenheit, mir die Phase One XF für das Magazin camera anzuschauen. Leider gibt es dieses gut gemachte Magazin nicht mehr und der Artikel hat es nicht mehr rechtzeitig ins Heft geschafft, aber ich möchte den Beitrag nicht völlig untergehen lassen und bringe ihn jetzt hier in der damals geplanten Form.

 

 

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